Frühjahr 1991: Karrieresprung für die Alte Auktionshalle. Das Haus am Rande der Fußgängerzone wird Heimat des wenige Wochen zuvor gegründeten Cuxhavener Kunstvereins.

Seit jeher waren Künstler von der Landschaft Cuxhavens mit Elbmündung, Wattenmeer und Heide fasziniert. Der Auswandererhafen, der militärische Stützpunkt und die Touristenzentren sind hier Ausgangspunkte künstlerischen Schaffens. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es in Cuxhaven ein reges Kulturleben, das sich zum Beispiel in der Duhner Künstlerkolonie und der Cuxhavener Kunstgesellschaft manifestierte. Nachdem die Nationalsozialisten die Kunstgesellschaft verboten, haben die Künstler in den Nachkriegsjahrzehnten keine institutionelle Förderung mehr erhalten.

Eingang Kunstverein

Das änderte sich 1991. Durch den Erfolg des in Eigeninitiative einer Ateliergemeinschaft veranstalteten internationalen Künstlersymposions „Schützen Wappnen Entrüsten“ im Fort Kugelbake, bei dem 16 internationale Künstler sich zwei Monate lang mit dem alten verwunschenen Fort an der Elbmündung auseinander setzte, war klar, dass jungen Künstlern ein institutionalisiertes Forum gegeben werden musste, nicht nur um die Künstler zu fördern, sondern auch um der Region den Anschluss an die Tendenzen zeitgenössischer Kunst zu ermöglichen und das kulturelle Leben der Stadt zu bereichern. Deshalb gründete die genannte Ateliergemeinschaft 1991 den Cuxhavener Kunstverein.

Treibende Kraft war der aus Köln zugezogene Feingeist Hubert F. Waltitschek. Der General a.D. kämpfte mit Erfolg für die Nutzung der Alten Auktionshalle und um die Gründungmitglieder des Vereins.

100 Ausstellungen mit großen Namen und jungen Künstlern

Mit Arbeiten der Kölner Künstlerin Ulrike Termeer nimmt im Spätsommer 1991 eine bis heute ungebrochene Erfolgsgeschichte ihren Lauf. In 23 Jahren und rund 100 Ausstellungen hat der Kunstverein Werke großer Namen wie Gerhard Richter, Antonie Tapies, Antony Gormley oder Franz-Ehrhardt Walter in Cuxhaven vorgestellt.

Seinen hohen Stellenwert in der überregionalen Kunstszene und sein Ansehen bei den institutionellen Förderern ist dem Umstand geschuldet, dass der Cuxhavener Kunstverein auch überwiegend jungen, mit großer Sorgfalt ausgewählten Künstlern – im wahrsten Sinne des Wortes – Raum gegeben hat. Viele Ausstellungen wurden begleitet von Katalogen. Für die jungen Künstler häufig die erste hochwertig herstellte Dokumentation ihres Schaffens.

Wir machen weiter so

Der Kunstverein wird auch in Zukunft das künstlerische Experiment fördern, er wird zeitweise seine Räume verlassen und an ungewöhnlichen Orten der Stadt unerwartete Begegnungen mit Kunst und Künstler provozieren.

Seit seiner Gründung betreibt der Cuxhavener Kunstverein seine Kunstwerkstatt im Oberschoss des Hauses. Barbara Heldt und Ulli Schünke legten in den ersten Jahren den Grundstein für ein Vermittlungs- und Projektprogramm das sich heute gleichberechtigt zum Ausstellungsgeschehen vor allem an Kinder und Jugendliche wendet und von namhaften Institutionen unterstützt wird.

Menschen begegnen sich – Menschen begenen Kunst

Die Geschichte des Cuxhavener Kunstvereins ist reich an Begegnungen von Menschen untereinander und der Begegnung von Menschen mit Kunst. Viele Stimmen haben darin den Cuxhavener Kunstverein kritisiert, andere haben ihn gelobt. Vielleicht brachte Franz- Ehrhardt Walter es anlässlich seiner Ausstellung 1998 auf dem Punkt, als er dem damaligen Vorstand auf den Weg gab: „Macht man so weiter, ihr macht das ganz gut.“

 

Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, jungen Künstlern ein Forum für die Erprobung neuer künstlerischer Vermittlungsformen und Experimentierfelder zu bieten und ihre Positionen dem Publikum durch die Einbettung in klassische Positionen moderner Kunst zu vermitteln.

Damit ist ein weiterer wichtiger Punkt angesprochen, die Vermittlung moderner Kunst und junger künstlerischer Konzepte an die durch das Fehlen von Hochschulen etc. in diesem Bereich wenig geschulte Bevölkerung. Ein besonderes Anliegen ist es dem Verein, jede Ausstellung durch ein didaktisches Programm zu begleiten, welches Führungen, Künstlergespräche, Vorträge und Filmvorführungen sowie einen Mitgliederstammtisch beinhaltet. Als wichtigen Baustein seiner Vermittlungsarbeit gründete der Verein 1992 die Kunstwerkstatt im Cuxhavener Kunstverein. Kinder, Jugendliche und Erwachsene finden im Atelier über den Ausstellungsräumen Gelegenheit, sich mit qualifizierter pädagogischer Begleitung kreativ zu betätigen und mit zeitgenössischer Kunst auseinanderzusetzen.

Die Besonderheiten unsere Einrichtung sind, die räumliche und strukturelle Verbindung und Verknüpfung des Cuxhavener Kunstvereins und der Kunstwerkstatt.

Es können dadurch Angebote gemacht werden, die (auch) Ausstellungsthemen beinhalten und sich somit an zeitgenössischen Positionen aktueller Kunst orientieren. Die Kunstwerkstatt ist ein Teil des Kunstvereins. In den letzten Jahren ist die Arbeit in der Kunstschule gewachsen und ausgebaut worden. Zudem bietet die Arbeit mit professionellen Künstlerinnen und Kunstvermittlerinnen in Atelierräumen eine professionelle Herangehensweise an künstlerische Inhalte. In der Kunstwerkstatt des Cuxhavener Kunstvereins können Kinder, Jugendliche und Erwachsene alles über Kunst erfahren und selbst kreativ tätig werden. Im großen Atelier gestalten sie an Staffeleien und Werkbank. Die Räume der Kunstwerkstatt unterstützen durch Material- und Medienbereitstellung wesentlich die Arbeit der Kunstvermittlung.

Die Kunstwerkstatt bietet Kurse an, veranstaltet Thementage und Ferienprogramme. In Kinderkunst- und Stadtteilprojekten arbeiten Künstlerinnen mit Gruppen und Schulklassen. Es werden gesonderte Schulkooperationen durchgeführt. Das Kunstvermittlungsprogramm, das sich an den aktuellen Ausstellungen von zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern orientiert, kann mit den unterschiedlichen Gruppen handlungsorientiert und kreativ arbeiten.

 

Der Cuxhavener Kunstverein fordert dazu auf, ganzheitliche Erfahrungen zumachen, Sinne, Geist, Fähigkeiten und Fertigkeiten zu fördern und die (Kunst-) Kultur zu pflegen. Aktiver Kunstgenuss und kreativer Umgang wird angeregt. Wir verbinden Kunst und Bildung in der Stadt Cuxhaven. Das Fach Kunst wird in der Schule zunehmend weniger berücksichtigt. Die neuen Oberschullehrpläne verdrängen dieses Fach für berufsorientierende Maßnahmen. Lehren kann das Fach „jeder“, zumindest ist das eine weitverbreitete Meinung. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, möchte der Cuxhavener Kunstverein und die Kunstwerkstatt neue und alternative Formen der Auseinandersetzung mit künstlerischen Möglichkeiten bieten und legt bei der Programmauswahl Wert auf kreative Vielfalt.

Um allgemeinbildenden Schulen ein fachkompetentes künstlerisches Angebot zu bieten, soll eine Kooperation mit Ganztagsschulen aufgebaut werden, um im Nachmittagsschulbereich Möglichkeiten der Zusammenarbeit zu schaffen. Vielen Menschen, speziell Kindern und Jugendlichen, möchte der Kunstverein eine intensive künstlerische Bildung anbieten, die von professionellen Künstlerinnen in Ateliersituationen durchgeführt wird. Die Umsetzung erfolgt in kleinen Gruppen mit viel Zeit sowie mit guter Material- und Werkzeugausstattung. Die Zusammenarbeit mit anderen Bildungseinrichtungen soll intensiviert werden, um Projekte durchzuführen, die neue Anregungen (auch durch Künstler von außen) nach Cuxhaven bringen.

 

Der Kunstverein verfügt im Erdgeschoss über eine Galerie, in der Ausstellungen und Aktionen stattfinden. Die obere Etage beherbergt die Kunstwerkstatt, eine Ateliersituation, um den einzelnen künstlerischen Prozesse Raum zu geben.

Druckpressen, Brennöfen, Staffeleien, Werkbank sowie unterschiedliche Materialien und Medien bieten die Voraussetzung für viele kreative Umsetzungsmöglichkeiten.