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Private Literature

Özlem Sulak

Ausstellungszeitraum

29. Oktober
bis 21. November 2010
Mi. – Fr. 16-18 Uhr
Sa. + So. 11-13 Uhr
und nach Vereinbarung

Ausstellungsort

Cuxhavener Kunstverein
Segelckestraße 25, Cuxhaven

Rahmenprogramm

Eröffnung
mit einem Grußwort von Ulrike Schneider, Referentin für Bildende Kunst, Niedersächsische Sparkassenstiftung
Einführung: Elke Falat, freie Kuratorin
29. Oktober, 19 Uhr

Kunst-Stammtisch
Özlem Sulak stellt sich und ihre Kunst vor
27. Oktober, 18.30 Uhr

öffentliche Führung
14. November, 11.30 Uhr

Das Ambiente der „guten Stube“, das die Künstlerin in den Räumen des Cuxhavener Kunstvereins einrichtet, das in die Jahre gekommene Sofa, der Couchtisch, die Stehlampe, der Perser, die Anrichte, auf der die Mattscheibe flimmert – das alles mag Sicherheit, sorglose Geborgenheit suggerieren.

Doch die Geschichten, die dort über den Bildschirm laufen, erzählen anderes. Vom Verlust der Heimat, von Abschied und Not, von Erinnerung und Sehnsucht, vom Wiedersehen – und im besten Fall vom Gewinn einer zweiten Heimat und einer geretteten Identität.

Özlem Sulaks gekonnte Balance zwischen anrührender Emotionalität und dokumentarischer Objektivität tut wohl gerade jetzt in der gegenwärtig hitzigen bundesrepublikanischen Diskussion um Migration, Integration und Identität.

Gruppen von Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern können sich zu Führungen anmelden und anschließend auch an Video-Workshops teilnehmen.

Die 1979 in Istanbul geborene und aufgewachsene Künstlerin Özlem Sulak lebt seit drei Jahren in Deutschland. Sie beschäftigt sich in den Medien Fotografie und Film mit ihrer eigenen Vergangenheit, der Geschichte ihrer Familie und ihres Landes.

Identitätssuche und Migration sind ein wichtiger Teil ihrer eigenen Biographie. In ihrem Video „Granny“ kommen z.B. ihre Großmutter und Großtante zu Wort, die von der Migration aus Sarayewo ins ländliche Anatolien der 1930er Jahre berichten. In „Granny“ erinnern Großmutter und Großtante – auf dem Sofa halb sitzend, halb liegend – im lebhaften Dialog an ihre Jugend, die Migration von Sarajewo in das ländliche Anatolien, an das Leben dort – detailreich, bewegend, humorvoll.

Özlem Sulaks Videos erzählen in starken, intensiven Bildern und Worten Geschichten, die jeden in den Bann ziehen, sofern er sich denn Zeit lässt (und Zeit muss sein!). Niemals aber, selbst dort, wo Özlem Sulaks eigene Biografie oder die ihrer Familie berührt wird, gerät das Erzählte rührselig oder gar zur Anklage – nicht zuletzt deshalb, weil es vielmals starke Frauen sind, die Sulak erzählen lässt.

Was ist Heimat? Wodurch werden wir geprägt? Was bestimmt unser Handeln?

Gesellschaftliche, politische Entwicklungen, existenzielle Lebensfragen setzt Özlem Sulak mit dokumentarischen Mitteln, aber in einer persönlichen Sprache so um, dass ganz ohne Pathos beeindruckende Bilder entstehen, die auch abstrakte Zusammenhänge klären.

In ihrer Videoinstallation „September 12“ berichten Menschen aus unterschiedlichen Schichten wie sie den 12. September 1980, den Tag des Militärputsches in der Türkei, erlebt haben. Die ruhigen Szenen zeigen die Personen heute bei alltäglichen Verrichtungen. Der individuelle Blickwinkel ihrer Erinnerungen weckt Interesse für das historische Datum und füllt es mit Leben.

Nach dem Studium – Tanz, Video und Fotografie – in Istanbul und Liverpool hat Özlem Sulak ihren Abschluss Digitale Medien an der Hochschule für Künste in Bremen gemacht. Sie ist u.a. Gewinnerin des Villa Minimo Stipendiums des Kunstvereins Hannover, des Bremer Videoförderpreises und des Daad Abschluss-Stipendiums.

In Cuxhaven wird ihre neue Videoarbeit „Verborgene Bücher“ zum ersten Mal zu sehen sein.

Die Künstlerin stammt selbst aus einer von Immigration geprägten Familie.

Sie wurde 1979 in Kayseris, nahe Istanbul geboren. Sie lebt seit drei Jahren in Deutschland. Ihre künstlerische Ausbildung erfuhr sie in Istanbul, Liverpool und Bremen. Sie lebt heute in Hannover, Bremen und Istanbul. Özlem Sulak ist Gewinnerin des Villa Minimo Stipendiums des Kunstvereins Hannover. Die Arbeiten der jungen Künstlerin wurden 2009 mit dem Videokunstförderpreis Bremen ausgezeichnet.

Wiewohl ihrer persönlichen Lebenswelt entnommen, thematisieren Ihre Fotos und Videos existenzielle Fragen nach Heimat und Fremdheit, Identität und Migration ohne Pathos, zwischen Intimität und Distanz.

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