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Ohne Schnur

Kunst und drahtlose
Kommunikation

Ausstellungszeitraum

22. April bis 2. Mai 2004
Di – Do 10-18 Uhr
Fr – So 11-20 Uhr

Ausstellungsort

Cuxhavener Kunstverein
Große Hardewiek 35
27472 Cuxhaven

Rahmenprogramm

Das alte Leuchtfeuer von Altenbruch
Besichtigung des alten Leuchtturms “Die dicke Berta”
Mo, 5. April 2004,
18:00 – 19:00
sowie
Sa., 10. April 2004
11:00 – 12:00

Besichtigung des Lotsenstationsschiffs “Elbe”
Di., 6. April 2004,
12:00 – 13:00

Besichtigung der Rettungsleitstelle im Kreishaus
Do., 8. April 2004,
16:00 – 17:45

Drahtlose Kommunikation im Dienst der Schadstoffunfallbekämpfung auf See
Besichtigung des Mehrzweckschiffs “Neuwerk”
Di., 13. April 2004,
11:00 – 12:00

Funktechnik gestern und heute
Der Funker Hans Wölbing erklärt Kindern die Funktechnik
Mi., 14. April 2004,
10:30 – 12:00
sowie
Do., 15. April 2004,
16:00 – 17:30

Drahtlose Kommunikation von Schiff zu Schiff
Besuch der Seefahrtsschule Cuxhaven
Di., 20. April 2004,
16:00 – 17:30

Luftüberwachung im Dienst des maritimen Umweltschutzes
Besuch beim Marinefliegergeschwader 3 “Graf Zeppelin” Nordholz
Do., 22. April 2004,
13:30 – 15:45

Telefonieren mit dem Mobiltelefon
Veranstalter: VHS Cuxhaven, Anmeldung unter 04721/73520
VHS Nr. 672, Kostenbeitrag 11,60 €
Do., 22. April 2004,
14.30-17.30

Drahtlose Kommunikation in der Hochseefischerei
Mit Hans Wölbing im Fischereimuseum
Sa., 24. April 2004,
11:00 – 12:00

Drahtlose Kommunikation im Hafen
Führung im Niedersächsischen Hafenamt
Dienstag, 27. April 2004,
16:00 – 17:30

Drahtlose Kommunikation im Dienst der Polizei
Bei der Polizei in Cuxhaven
Do., 29. April 2004,
16:00 – 17:30

Handys, drahtlose Internetverbindungen, Navigationssysteme im Auto und in der Schiffahrt – die Kommunikationstechnologie ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken.

Durch die Mobilität, Handlichkeit und Erschwinglichkeit der Geräte sind sie längst zum Massenmedium, ja beinahe zum “zweiten Ich” geworden, das unsere Gesellschaft nachhaltig verändert, ob wir es wollen oder nicht: Der reale Raum wird in unserer Wahrnehmung immer mehr überlagert vom privaten und öffentlichen Informations- und Kommunikationsraum, die Medien werden endgültig zu Erweiterungen des Körpers, wie es bereits in den 70er Jahren der Medientheoretiker Marshall McLuhan vorausgesagt hat.

Von der Öffentlichkeit bisher viel zu wenig wahrgenommen beschäftigen sich zahlreiche Künstler mit den Auswirkungen der mobilen Kommunikation auf unsere Gesellschaft, auf Raumwahrnehmung und Körperbewusstsein. Das Institut für Kunstgeschichte der LMU München und der Cuxhavener Kunstverein haben gemeinsam eine Ausstellung konzipiert, die beispielhafte Werke auf diesem Gebiet vorstellt und in den größeren Kontext der Kunst- und Mediengeschichte einbindet.

Das Ausstellungsprojekt “Ohne Schnur” hinterfragt in innovativen Formen der Zusammenarbeit von Theorie und Praxis, Technik- und Kunstgeschichte den Einfluss der drahtlosen Kommunikation auf Kunst und Gesellschaft.

Es wird gezeigt, wie sich Künstler in verschiedensten Medien und aus verschiedensten Perspektiven mit dem Thema beschäftigen. Einen wichtigen Teil der Ausstellung nimmt zudem die Einbettung aktueller Projekte in die Geschichte der Kommunikationskunst wie der technologischen Entwicklung ein.

Gleichzeitig wird damit die erste deutsche Ausstellung zum Thema “wireless art” vorgestellt, eine Kunstrichtung, die, wie sich auf verschiedenen aktuellen Festivals zeigt, extrem “im Kommen” ist. So wurde ihr eine Sektion auf der diesjährigen transmediale (Berlin) gewidmet und sie wird auch auf den im Sommer stattfindenden Festivals “futuresonic” (Manchester) und “ISEA” (Tallinn, Helsinki, Stockholm) großen Raum einnehmen (siehe Links).

Cuxhaven ist insofern der ideale Ausstellungsort für das Projekt, als die Hafenstadt seit jeher einen besonderen Bezug zur drahtlosen Kommunikationstechnologie hat. Von Cuxhaven aus machte Prof. Ferdinand Braun gemeinsam mit seinem Assistenten Jonathan Zenneck Jahre 1899/1900 wichtige Funkversuche – ihnen gelang im September 1900 erstmals eine Funkverbindung von Cuxhaven nach Helgoland, über eine damals sensationelle Entfernung von 62 km.

Bis heute findet man in Cuxhaven ein extrem breites Spektrum drahtloser Kommunikationsmedien, von einfachen Sichtsignalen bis hin zu den neuesten technologischen Innovationen im Seefunk, was einige Künstler zu sehr interessanten ortspezifischen Arbeiten angeregt hat. Gleichzeitig finden sich in Cuxhaven und der Region verschiedene Organisationen, deren Kompetenzen im Gebiet der angewandten drahtlosen Kommunikation bei Konzeption wie Vermittlung der Ausstellung einbezogen werden.

Der Cuxhavener Kunstverein und das Institut für Kunstgeschichte der Universität München haben sich zur Durchführung dieses Projektes zusammengetan, um Theorie und Praxis der kunsthistorischen Arbeit am Beispiel eines spannenden und hochaktuellen Themas zu verbinden. In mehreren Seminaren an der LMU München wurde das Konzept der Ausstellung erarbeitet, die Realisierung erfolgt in enger Zusammenarbeit von Universität und Kunstverein, die teilnehmenden Studierenden betreuen einzelne Künstler, erarbeiten die Ausstellungsdidaktik und ein Aufbaukonzept und reisen für die Aufbau- und Eröffnungswoche nach Cuxhaven, der Kunstverein übernimmt die Finanzierungsarbeit, die Organisation und Realisierung vor Ort und bringt seine langjährige Ausstellungserfahrung und Kontakte in das Projekt ein.

Neun internationale Künstler widmen sich in Cuxhaven dem Phänomen der drahtlosen Kommuikation. Ein Überblick.

In den Räumen des Kunstvereins wird der Besucher vom mission control center der “operation CNTRCPY” (Wien) empfangen und dazu aufgefordert, sich am Wettlauf der Nationen um die bemannte Raumfahrt zum Mars zu beteiligen, ein ironisch-kritischer Kommentar zur durch mobile Kommunikation provozierten gleichzeitigen “Anwesenheit” an verschiedenen Orten und in verschiedensten Gesellschaften.

Thomas Weyres (Münster) präsentiert Graphiken, die sich mit der Übersetzung von (SMS-) Nachrichten in digitale Codes beschäftigen, sowie Fotografien, die die fundamentale Bedeutung von Energie für die mobile Kommunikation darstellen.

Für die private Atmosphäre des Wohnzimmers sind die Placebo-Furnitures von Anthony Dunne und Fiona Raby (London) gedacht, die der Erforschung des uns umgebenden “Hertzraumes”, d. h. der elektromagnetischen Wellen in unserer Umwelt dienen.

Igor Stromajer (Ljubljana) stellt “Pakete”bereit, die auf Mobiltelefone, Notebooks etc. heruntergeladen werden können und kleine, selbstinstallierende Programme enthalten, die den Benutzer mit den Auswirkungen mobiler Kommunikation konfrontieren.

Ein eigenes, vollkommen autarkes Labor zur Erforschung drahtloser Technologien, das Makrolab, im letzten Jahr auf der Biennale zu sehen, präsentiert Marko Peljhan (Ljubljana) in Cuxhaven. Zur Finissage veranstaltet Peljhan eine Radioperformance.

Auch die ‘traditionellen’ Formen drahtloser Nachrichtenübermittlung werden in der Ausstellung thematisiert: Christian Terstegge (Hamburg) macht mit seiner Installation “Radio-Aktiv” die uns umwabernden Radiofrequenzen hörbar und als Pionier auf dem Gebiet der ‘Kunst über drahtlose Kommunikation’ stellt Klaus v. Bruch (München) eines seiner “Verdun-Stücke” vor, die Radaraufnahmen der Schlachtfelder und Kriegsgräber von Verdun zeigen. Damit bringt er die Thematik der Überwachung und Ortung zur Sprache und verweist er auf den Zusammenhang von technologischer Invention und ihren militärischen Hintergründen.

Die Ausstellung ist jedoch nicht auf die Räume des Kunstvereins beschränkt: Zwei besonders spannende Projekte kann der Besucher direkt am Strand erkunden. Stefan Schemat (Berlin) verwandelt die Küstenlinie in einen interaktiven Krimi, der mit einem entleihbaren “Augmented-Reality-Anzug” erfahrbar wird, während Teri Rueb (Baltimore) uns auf die Suche nach Geräusch- und Textinseln schickt, die sich mit den Gezeiten vom Wattenmeer aufs Land und zurück bewegen. Ergänzt wird die Ausstellung durch eine Sektion zur Geschichte der drahtlosen Kommunikation und Kommunikationskunst in den Räumen des Kunstvereins.

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