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Les Adieux

Das Erste Buch

Ausstellungszeitraum

3. April bis 30. April 2014
Mi. – Fr. 10-13 Uhr
Sa. + So. 11-14 Uhr
und nach Vereinbarung

Ausstellungsort

Zollgang Hapag-Hallen
Albert-Ballin-Platz 1, Cuxhaven

Rahmenprogramm

Eröffnung
Do., 3. April 19.00 Uhr

Öffentliche Führung
Sa., 12. April 11.00 Uhr

Klavierkonzert mit
Jana Simowitsch

Do., 5. Juni 20.00 Uhr,
Schloss Ritzebüttel

Öffentliche Führung
Sa., 4. Oktober 11.00 Uhr

Abschied. Ein Begriff, fast zu kurz um all das zu definieren, was er umfasst. Zwischen Schmerzen und Hoffnung, Sehnsucht und Aufbruch macht das Erste Buch die verschiedenen Facetten des Abschied-Nehmens erfahrbar.

Aufbruch und Neuanfang, Schmerz und Hoffnung: Im Ersten Buch reagiert die Kunst explizit auf die Befindlichkeiten, die den Gebäuden der HAPAG-Hallen eingeschrieben zu sein scheinen. Unterschiedliche und zum Teil gegensätzliche Emotionen und Erwartungshaltungen kommen zum Vorschein. Hoffnung, Unsicherheit, Freude, Trauer, Glück und Unglück. Das Positive und das Negative liegen oft nah beieinander. Ebenso die Zeitlichkeiten: Vergangenheit und Zukunft, Präsenz und Abwesenheit, Leben und Tod.

Eine Gruppe von vier Bildern der Künstlerin Ida May aus Idahoe, die über Cuxhaven nach Amerika auswandert ist, bilden den Ausgangspunkt der konzeptionellen überlegungen. Ergänzt werden diese durch weitere spannende Artefakte sowie einer Installationen des französischen Aktionskünstlers Matthieu Martin, der in seiner vor Ort gestalteten Arbeit das Thema mit den Augen des Beobachters von außen spiegelt. Zudem erarbeitet die Pianistin Janka Simowitsch ein Klavierkonzert rund um das Thema Abschied.

>> Ein Rundgang durch die Ausstellung

Tiefenbohrung in die Seele: Les Adieux” ist der Titel einer Klaviersonate von Ludwig von Beethoven, in der die Schmerzen des Abschieds und das Sehnen nach einer Wiederbegegnung musikalisch arrondiert werden.

Ihren besonderen Reiz bezieht die Sonate aus dem Umstand, dass die Musik nicht direkt auf den Vorgang des Abschiednehmens verweist, sondern dass Beethoven mit musikalischen Mitteln den Kräftelinien und Energien nachspürt, die einem Abschied innewohnen – keine plumpe Illustration, sondern eine Tiefenbohrung in Seelenzustände und Befindlichkeiten.

Das erste Buch “Les Adieux” stellt genau jene Befindlichkeiten in den Mittelpunkt des Ausstellungsgeschehens. Welches Setting könnte geeigneter sein, diesen Kräftefeldern nachzuspüren, als das Ensemble Hapag-Halle / Alter Zollgang / Steubenhöft. Ein Ort, der durch seinen historischen Befund wie aufgeladen scheint mit der Energie des Abschiednehmens, aber auch angefüllt ist mit den Kräften, die Aufbruch und Neuanfang freisetzen. Im ersten Teil der Ausstellungssequenz soll Kunst explizit auf die Historie und die Geschichten, auf die Schmerzen und die Hoffnungen reagieren, die in dieses prachtvolle Gebäude eingeschrieben scheinen.

Ausgangspunkt der konzeptionellen überlegungen ist eine Gruppe von vier Bildern der Künstlerin ldo Moy aus ldohoe, die über Cuxhaven noch Amerika ausgewandert ist und dort in den 70er und 80er Jahren des 20. Jahrhunderts kleinere Aquarelle und Ölbilder angefertigt hat. Durch die Rückführung der Bilder, die ldo Moy in ihrer neuen Heimat Amerika angefertigt hat, an den Ort ihrer Emigration, schließt sich der Kreis zwischen Aufbruch und Vergangenheit, zwischen historischer Hinterlassenschaft und Neuanfang. ldo Moys’ Bilder sind kleinformatige, eher privat anmutende Arbeiten. Sie sind ein kompakter, aber dennoch kraftvoller Nukleus, aus dem heraus das Thema Abschied durch etliche Bedeutungsfelder dekliniert wird.

Der Food-Designer Stevan Paul setzt Henkersmahlzeiten von Verurteilten in Szene – wobei die ausgetüftelt-edle Optik der Gerichte mit den schicksalhaften Lebenswegen der Verurteilten kontrastiert.

Die großformatige Foto-Installation “Was bleibt” erlaubt Einblicke in private Lebenswege, die durch einen schicksalhaften Twist öffentlich geworden sind: auf Berliner Flohmärkten kann man private Gegenstände, Briefe und Fotos von Menschen kaufen, deren Wohnung nach dem Ableben von professionellen Entrümpler-Teams ausgeräumt worden sind. Fotos von privaten Momenten werden durch die Skalierung ins Riesengroße ihrer Privatheit beraubt und in eine offiziöse Dimension katapultiert.

Die historische Bedeutung des Steubenhöft gibt auch den Ausgangspunkt vor für eine große, experimentelle Arbeit des französischen Künstlers Mathieu Martin, der mit Arbeiten in Paris und Sarajevo, in Russland und in Dänemark bereits das Spannungsfeld zwischen historischem Erbe und künstlerischer Reaktion darauf ausgemessen hat; die Arbeit in Cuxhaven ist auch aus persönlichen Gründen für Mathieu Martin eine Neuformulierung eines persönlichen Erfahrungshorizonts: er stammt aus Nantes, in den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts der wichtigste Auswandererhafen Frankreichs- Mit seinem künstlerischen Engagement schlägt er die Brücke zwischen den Auswanderer-Historien Deutschlands und Frankreichs.

Die junge Pianistin Janka Simowitsch, deren Debüt-CD von Deutschlandradio Kultur und vom Saarländischen Rundfunk als “maßstabsetzend” und “denkwürdig” eingeschätzt worden ist, gestaltet ein Klavierkonzert rund um das Thema “Abschied”.

Weitere Aspekte der Ausstellung sind eine Installation aus Winkkatzen: diese seriell produzierten Andenken, die so ziemlich jedes Asia-Restaurant zieren, verkörpern gute Wünsche zum Abschied. Gleichzeitig nehmen sie die- abendländische- Geste des Winkens zur Verabschiedung auf, transformieren sie durch die Vervielfachung zur Chiffre des Stereotypen, verweisen aber gleichzeitig auf die Fülle der Einzelschicksale, die hinter der Auswanderer-Historie stehen.

Das Thema “Abschied” ist auch der Ausgangspunkt der Video-Arbeit “Lovers are strangers” von Micheie Gurevich, die Aufnahmen von (Abschieds-) Feiern ihrer Familie mit coolen Lounge-Klängen unterlegt: Ritual und Verunsicherung, das Festhalten an Bräuchen der Vergangenheit und die bereitwillige Annahme des Neuen vermischen sich zu einem Panorama aus Aufbruch und Nostalgie, aus Beharrungsvernögen und Hoffnung auf Wandel und neue Chancen. Das Video wird in einem alten Röhren-Fernseher in einer Abfertigungsbox am Steubenhöft gezeigt.

Interdisziplinäre Werke etablierter Künstler und Fundstücke unbekannter Quelle ergänzen sich.

Arbeiten der Künstler Matthieu Martin, Anna-Maria Kubach-Wilmsen und Wolfgang Kubach sowie Gavin Hodge, treffen auf Bilder des Fotografen Andrea Thode, die gemeinsam mit dem Food Designer Stevan Paul entstanden sind. Weitere Fotografien stammen von Unbekannten, erworben auf dem Flohmarkt. Außerdem finden wir Bilder der kaum bekannten Ida May und hören Musik aus dem Video von Michelle Gurevich alias Chinawomen.

Mathieu Martin stammt aus der französischen Hafenstadt Nantes. Seine Arbeiten sind im Hinblick auf das verwendete Material ausgesprochen abwechslungsreich: das Spektrum reicht von zarten Zeichnungen auf Papier bis hin zu ortsbezogenen Arbeiten, die in der Umgestaltung eines alten Wasserturms gipfeln. Ziel seiner künstlerischen Aktivitäten ist es, ganz neue, hintersinnige Zugänge zu Landmarken, Bräuchen und Gewohnheiten zu eröffnen. Geboren 1986. Er arbeitet dort, wo er sich aufhält.

Aus dem Zug vom Amerikabahnhof, in den Kuppelsaal, weiter durch den Zollgang zum Steubenhöft, wo das große Dampfschiff bereits vor Anker lag.

Diesen Weg gingen im letzten Jahrhundert tausende Auswanderer, die in Amerika auf ein besseres Leben hofften. Das Areal der HAPAG-Hallen ist zum Symbol des Abschieds, aber auch des Aufbruchs und des Neuanfangs geworden. „Les Adieux” macht die Kräftefelder des Ortes erfahrbar, um sie anschließend mit einer Installation im Schleusenprielbecken ironisch zu brechen.

Künstlerisch untersuchten wir unterschiedliche Formen des Abschied-Nehmens und des Wiedersehens. Dabei haben wir phantastische Geschichten erfunden und über aktuelle Probleme nachgedacht.

Hyperlinks-Logo2“Ahoi!” meint nicht nur “Hallo” sondern auch kann auch zum Abschied gesagt werden. Zudem handelt es sich um ein Wort aus der “Seemannssprache” und wird zur Kontaktaufnahme mit anderen Schiffen oder Booten genutzt. ln Bezug auf die Ausstellung im Steubenhöft sollen Orte des Abschieds aufgesucht werden: der hiesige Bahnhof, der Hafen oder Haltestellen im Stadtraum. Welche Formen des Abschiednehmens zeigen sich an diesen Orten? Unterscheiden sie sich? Orte des Abschieds sind oftmals auch Orte des Wiedersehens. Nehmen wir Differenzen in den Emotionen oder der Körperhaltungen der Menschen wahr, die sich an diesen Orten verabschieden oder wiedertreffen? ln diesem Projekt sollen die Formen des Abschiednehmens sowie des Wiedersehens künstlerisch untersucht werden.

>> Berichte zur Kunstvermittlung dieser Ausstellung
>> Weitere Informationen zum Kunstvermittlungsprogramm <hyperlink>s

 



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