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Indien liegt
außerhalb

Volker Lang

Ausstellungszeitraum

31. März bis 27. Mai 2001

Ausstellungsorte

Installation an der Kugelbake
täglich 8-18 Uhr

Ausstellung Kunstverein
Große Hardewiek 35, Cuxhaven
Mi. – Fr. 16-18 Uhr
Sa. + So. 11-13 Uhr

Rahmenprogramm

Eröffnung
Grußwort: Regierungspräsidentin Ulrike Wolff-Gebhardt, Lüneburg
Einführung: Katja Kwastek Ludwig-Maximilians-Universität, München
31. März, 16.00 Uhr
im Cuxhavener Kunstverein

Vortrag
des Kunsthistorikers Yilmaz Dziewior (Kunstverein Hamburg)
Thema: Es kommt auf den Zusammenhang an
6. April, 20 Uhr

Lesung und Katalogvorstellung
Der Schauspieler und Rundfunksprecher Peter Liek liest das letzte Kapitel aus Virginia Woolfs Roman „Die Wellen“.
Captain Ahab’s Culture Club
14. Juni, 19.30 Uhr

Grundlage von Volker Langs Arbeit für Cuxhaven ist der Roman von Virginia Woolf „Die Wellen“.

In exponierter Lage in einer kleinen Düne am Strand bei der Kugelbake entsteht ein Haus zu diesem Text. In dem Haus verabschiedeten die sich die sechs Persönlichkeiten des Buches: Susan, Jinny, Rhoda, Neville, Luis und Bernard ihren gemeinsamen Freund Parcival vor seiner Abreise nach Indien. Der Text, das „Hörspiel“, wird nach dem Eintreten des Besuchers im Raum abgespielt. Hören Sie ihre Stimmen! Haus, Raum, Standort, Ausblick und Text sind so aufeinander abgestimmt, dass eine sehr konzentrierte Stimmung entsteht.

Neben der Installation an der Kugelbake werden im Kunstverein weitere Arbeiten von Volker Lang gezeigt. Besuchen Sie auch diese Ausstellung erfahren Sie an Modellen, Zeichnungen und Fotos mehr über das Ereignis und seine Hintergründe!

Zur Eröffnung werden die sechs Sprecher persönlich auftreten.

“Wir werden zusammen zu Abend essen. Wir werden uns von Percival verabschieden, der nach Indien geht. Die Stunde ist noch fern, aber ich spüre schon diese Vorboten, diese Vorreiter, Abbilder unserer Freunde in Abwesenheit. Ich sehe Louis, aus Stein gehauen, wie eine Skulptur; Neville, ein Scherenschnitt, äußerst genau; Susan mit Augen wie Kristallbrocken; Jinny, die wie eine Flamme tanzt, fiebernd, heiß, über trockene Erde; und Rhoda, die Brunnennymphe, stets feucht.”

Sechs Menschen, die sich von klein auf kennen, treffen sich im Alter von etwa 25 Jahren in einem Restaurant in London wieder. Virginia Woolf lässt in diesem Abschnitt ihres Romans “Die Wellen” (1931) die Personen eine nach der anderen auftreten, um ihre unterschiedlichen Charaktere und gegenseitigen Beziehungen zu verdeutlichen. Das anschließende Gespräch der Freunde schwenkt immer wieder vom Ort des Treffens zu den Erlebnissen der Vergangenheit, den aktuellen Lebenssituationen der einzelnen bis hin zu Reflexionen über das Leben an sich, geht vom Dialog in innere Monologe der Einzelpersonen über.

So ist der Ort einerseits wichtiger Konzentrationspunkt, denn gefangen von der Atmosphäre des Zusammentreffens definieren die Freunde über ihre gemeinsamen Erlebnisse und Beziehungen ihre Individualität, andererseits Projektionsfläche für das außerhalb liegende Leben der Einzelnen, ihre Wünsche und Erwartungen, ihre Vergangenheit und Zukunft.

Volker Lang setzt diese Dialektik in eine Architektur um. An der Elbmündung baut er ein Haus mit sechs Fenstern, in denen jeweils einer der Freunde zu Worte kommt. Damit inszeniert er das Gespräch im Raum und setzt es in Beziehung zum Ausblick auf das Meer.

Seit jeher provoziert der Blick in die Ferne Gedanken über das Ungewisse, Unbekannte, über Vergangenheit und Zukunft, dient die sich zyklisch verändernde See als Metapher für das Leben an sich. Auch Virginia Woolf nutzt diese Metapher, ihr Buch stellt das Leben der sechs Personen dem Lauf der Sonne über einer Küste gegenüber.

Das Zusammenspiel von Architektur als Ort des Dialogs und Landschaft, von menschlicher Individualität und Ungewissheit des Lebens ist Thema von Volker Langs Installation.

Wie die Bühne im Theater ist die räumliche Verortung in der Literatur ein wichtiges Mittel der Regie, das dem Leser Beziehungen und Stimmungen deutlich macht. Wie ein Regisseur setzt der Künstler den Text Woolfs mit bildnerischen Mitteln um und geht dabei weit über die Erstellung eines Bühnenbildes hinaus: Denn er setzt das für die Stimmen gebaute Haus in Beziehung zur umgebenden Landschaft, die, durch die Fensterausblicke fest in das Kunstwerk eingebunden, eine wichtige Rolle in der Inszenierung spielt.

Einen weiteren Part in diesem Stück wird unweigerlich jeder Besucher der Ausstellung übernehmen – wie die übrigen Besucher des Londoner Restaurants im Buch. Ob wir uns jedoch als Beobachter oder als Beobachteter wiederfinden werden, darauf heißt es neugierig sein wie Bernard, der Protagonist des oben zitierten Abschnitts, der seine Freunde in Erwartung des Zusammentreffens charakterisiert.

Das Projekt von Volker Lang (geb. 1964), das aufgrund statischer Probleme vom Herbst auf das Frühjahr verschoben werden musste (siehe punkt. 3/2000), steht in Zusammenhang mit einer Reihe von Installationen, die er auch für Bregenz, Bozen und Tondern als architektonische Umsetzung von Literatur konzipiert hat.

Parallel zur Installation an der Kugelbake findet in den Räumen des Kunstvereins eine Ausstellung zum Werk des Künstlers statt.

Volker Lang arbeitet auf dem Gebiet der Plastik. Sein Material ist das Holz, seine Themen sind oft aus Grundformen der Architektur entnommen. Auch bei seinen fotografischen Arbeiten spielt die Architektur eine wichtige Rolle.

„Ein zweimonatiger Arbeitsaufenthalt in Venedig“, so schreibt Volker Lang, „veränderte die Richtung meiner künstlerischen Arbeit. Bisher habe ich gelegentlich literarische Texte meiner Arbeit an die Seite gestellt. Ich bediene mich ihrer nicht um das, was ich tue, mit großer Literatur aufzuwerten, sondern als Bekenntnis zu einer bestimmten Art von Darstellung und aus einem Bedürfnis nach Inhalten. Die Funktion von Literatur ist gerade die Kommunikation mit dem anderen, dem verschiedenen (der Natur, dem Unendlichen, dem anderen Menschen….) weil es verschieden ist. Um diese Differenz zu betonen möchte ich Texte plastisch räumlich artikulieren.“

1999 baute Volker Lang in den Niederlanden zum ersten mal ein Haus für einen Text. Auf langen Spaziergängen und Wanderungen setzte er sich mit der jeweiligen landschaftlichen Gegebenheit auseinander. In einem Park fand er an einem See eine Stelle, die ihm geradezu ideal schien um hier die Novelle „Die Portugiesin“ aus dem Buch von Musil „Drei Frauen“ anzusiedeln. Für diesen Ort und diesen Text schuf er ein Haus, ein schlichtes Haus mit nur einer Fensteröffnung, einer Türöffnung und drei Stühlen, für jede der drei Frauen einen. Der Text wurde von einem professionellen Radiosprecher gesprochen.

Inzwischen ist das Projekt gewachsen. Für Venedig, im Palazzo Barbarigo della Terrazza, hat Volker Lang im Juni 2000 die Installation Una Trama di Borges verwirklicht. Er hat einen Krimi von Jorge Luis Borges ausgesucht und ihn in die architektonische Struktur der Umgebung eingebunden.

>> Der Künstler auf Wikipedia

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