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Hoch hinaus

Das Zweite Buch

Ausstellungszeitraum

22. Mai bis 19. Juni 2014
Mi. – Fr. 10-13 Uhr
Sa. + So. 11-14 Uhr
und nach Vereinbarung

Ausstellungsorte

Zollgang Hapag-Hallen
Albert-Ballin-Platz 1,
Cuxhaven

Ehemalige Nordsee-Kantine
Baudirektor-Hahn-Str. 22,
Cuxhaven

Rahmenprogramm

Eröffnung mit Performances der Künstlergruppe costa compagnie
Do. 22. Mai 19:00
Hapag-Halle,
Albert-Ballin-Platz 1,
Cuxhaven

Öffentliche Führung
Di. 24. Juni 11:00

Kaum einer weiß es: Zwischen 1933 und 1964 wurde im Großraum Cuxhaven Raketenforschung betrieben. Im Zweiten Buch ermittelt die Künstlergruppe costa compagnie ein historisch belegtes Faktengerüst, um mit den Mitteln der Performance, des Tanzes und der bildenden Kunst eine verborgene Seite der Stadtgeschichte freizulegen.

Die Rakete: Feuerwerkskörper, militärische Waffe und Raumfahrzeug. Die gegensätzliche Verwendung des Objekts verortet die costa compagnie in Utopie und Horror, Erkenntnis und Schrecken.

Die in den 1930er Jahren beginnende Raketenforschung ist in Cuxhaven weitgehend unbekannt. Nur wenige Cuxhavener haben von den Postraketen im Watt oder dem Wernerwald als Versuchsort für Raketenexperimente gehört. Es gibt keine Gedenktafel, kein Museum, die Spuren sind verwischt.

Andere Regionen der Welt gehen hingegen deutlich offener mit ihrer Raketenforschungsgeschichte um. Im Libanon besuchte Felix Meyer-Christian 2013 ein „Widerstandsmuseum“ der Hisbollah und die Beiruter Haigazian Universität. Anschließend besichtigte der Künstler in den USA ein Gelände der U.S. Air Force und ein Raumfahrtmuseum der NASA. All diese Orte blicken voller Stolz auf ihre Raketenforschung. In ausufernden Ausstellungsparks berichteten die Guides begeistert über die Geschichte der Orte – untermalt von heroischer Musik. „Die mediale Darstellung von Raketen zeugt von einer Idealisierung der Forschung, von militärischer Überlegenheit und wirtschaftlichem Wachstum, von Herrschaft und Hoffnung. Gleichzeitig spiegelt die Anwendung und Kontextualisierung des Objekts Rakete die jeweilige globalpolitische Situation ihrer Zeit wieder,“ sagt Felix Meyer-Christian. In der Ausstellung und den begleitenden performativen Führungen verschränkt costa compagnie das gesammelte dokumentarische Material aus Cuxhaven mit der ausufernden Raketeninszenierung im Libanon und den USA. Durch Sammeln, Durchstreifen, Vermessen, Aufgreifen und Fallenlassen von Spuren und Orten produziert die Gruppe performative Arbeiten in unterschiedlichen Medien.

Der Besucher wird zum Zuhörer, Betrachter und schließlich zum Mitwirkenden. Er wird durch die Ausstellung geleitet, fragmentarisches Wissen wird vermittelt. Doch gleichzeitig wird dieses Wissen über seine formale Vielfalt mehrfach hinterfragt. Der Besucher geht bei der Führung seinen eigenen Weg und bestimmt damit auch den Ausgang der Geschichte selbst. Fakt und Fiktion verschwimmen und ergänzen sich einander. Bilder von Raketen aus dem Libanon, aus den USA und aus Cuxhaven vermischen sich mit den inneren Bildwelten der Cuxhavener.

Was ist sichtbar? Wer spricht? In welchem Verfahren werden die Bilder generiert? Und zu welchem Zweck?

>> Ein Rundgang durch die Ausstellung

Utopie und Horror: In „Hoch hinaus“ steht das Thema Raketenforschung im Mittelpunkt des Ausstellungsgeschehens. Die Tatsache, dass zwischen 1945 und 1964 im Großraum Cuxhaven Raketenversuche durchgeführt wurden, stellt die Ausgangsbasis einer interdisziplinären Arbeit der Künstlergruppe costa compagnie dar.

Felix Meyer-Christian, der künstlerische Leiter der Gruppe, erarbeitet vor Ort mit kollaborierenden Künstlerinnen und Künstlern aus den Bereichen Choreographie, Video, Performance und bildende Kunst eine Sequenz von Performances, die nach dem Eröffnungsabend als Videoinstallation ausgestellt werden. Zusätzlich entstehende Raum-Installationen werden ebenfalls bis zum Ende der Ausstellung im Steubenhöft / Hapag-Hallen begehbar sein.

Die costa compagnie nimmt dabei ausdrücklich Bezug auf die Gegebenheiten des Ortes: dadurch dass Felix Meyer-Christian stark mit dokumentarischen Methoden arbeitet, ermittelt die Gruppe zunächst ein historisch belegtes Faktengerüst, das dann mit den unterschiedlichen Mitteln spielerisch durchkreuzt und situativ gebrochen wird.

Das in Cuxhaven generierte Material verschränkt Meyer-Christian unter anderem auch mit dokumentarischen Aufnahmen, die er zuvor im Libanon und den USA sammelte. Konkret besuchte er Orte der Hisbollah im Süden des Landes sowie Beirut, wo in den 1960er Jahren ebenfalls ein ziviles Raketenforschungsprojekt durchgeführt wurde. Eine weitere Reise führte ihn nach Cape Canaveral. Dort befindet sich das Raketenstartgelände der U.S. Air Force.

In Cuxhaven werden sich die künstlerischen Aktionen von den historischen Momenten ableiten und geben das frei, was in die Historie mal verborgen, mal offen eingeschrieben ist. Die Eröffnung am 22. Mai wird um Solo-Arbeiten der einzelnen Mitglieder der costa compagnie erweitert.

Die costa compagnie ist ein Zusammenschluss von Künstlern verschiedener Disziplinen, die sich je nach Projekt neu formieren.

Um sich dem Thema der Raketenforschung zu nähern, durchforschte die Gruppe das Stadtarchiv, den Wernerwald und den Strand. Jedoch ging es costa compagnie weniger um die Darstellung vorgefundener Dokumente – vielmehr stand der methodische Umgang mit dem dokumentarischen Material im Vordergrund. Wie wird die Rakete im zivilen Kontext dargestellt? Wie wird sie militärisch inszeniert?

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Knapp zehn Tage lang arbeiteten die bildende Künstlerin Zahava Rodrigo, die Performerin Christina Flick, der Tänzer und Choreograph Jascha Viehstädt und der Videokünstler Jonas Plümke unter der künstlerischen Leitung von Felix Meyer-Christian zusammen, der damit seinen 6-wöchigen Arbeitsaufenthalt in Cuxhaven abschloss. Zuvor hatter der Künstler bereits im Libanon  als auch in den USA zum Thema Rakete recherchiert.

Felix Meyer-Christian (Konzept & künstl. Leitung / Performance / Installation / Choreographie / Text / Produktion)

Felix_Meyer-Christian*1979, Arbeiten im kollaborativen Rahmen der costa compagnie im Bereich Tanz und Performance, Installation, Film und Theater, sowie im Sprechtheater als Solo-Regisseur in den Städten Berlin, Frankfurt-Main, Osnabrück, Mainz, Heidelberg und Hamburg. 2007 schloss er ein Studium der Geographie, des Völkerrechts und des Umweltmanagements in Berlin (HU & FU) und Lissabon ab. Praktika in Bhutan, Peru und den USA im Bereich Entwicklungszusammenarbeit und Katastrophenvorsorge, vor allem mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Regie-Studium an der Theaterakademie Hamburg (Hochschule für Musik und Theater). 2009 Gründung der costa compagnie, 2010 Mitbegründung des Kunst-Kollektivs RUBIKON mit Angela Anzi und lda Lennartsson in Hamburg. 2012 Teilnahme am Körber Studio Junge Regie am Thalia Theater Hamburg, am Internationalen Forum der Berliner Festspiele bei Andres Veiel, an internationalen Laboratorien für Dokumentartheater in Moskau und Budopest und an Förderformaten in Mainz, Graz und Hamburg.2013 Premiere und Gastspiele mit der in Japan recherchierten Tanzperformance “Fukushima, my Iove” sowie Beginn der zweijährigen Residency Conversion am Theater und Orchester Heidelberg, gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes.
>> Zur Website des Künstlers

Zahava Rodrigo (Bühnen-Raum / Installation / Performance)

*1984, studierte von 2009 bis 2013 an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg Freie Kunst und Bühnenraum bei den Professoren Raimund Bauer, Geelke Gaycken und Heike Mutter. Neben Bühnenräumen (u.a. auf Kampnagel Hamburg, am Thalia Theater Hamburg / Gaußstraße, Theater Kiel, Stadttheater Bremerhaven) entstehen regelmäßig installative und performative Arbeiten, solo oder im Kollektiv ROTA, zuletzt zu sehen in der Hamburger Botschaft in Hamburg und der Bundeskunsthalle in Bonn.
>> Zur Website des Künstlers

Jascha Viehstädt (Choreographie / Tanz)

*1985, Abschluss an der Contemporary Dance School Hamburg in 2011. Begleitendes Studium “Kultur- und Medienmanagement” an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. Derzeit im Master Choreographie am Hochschulübergreifenden Zentrum für Tanz Berlin, der Universität der Künste Berlin und der Hochschule für Schauspielkunst “Ernst Busch”. Engagements als Tänzer im Staatsballett Hannover, Lübecker Stadttheater, auf Kampnagel Hamburg und für das K3-Zentrum für Choreographie Hamburg. Diverse Schnittstellen zu Arbeiten mit bildenden Künstlern in Installationen und Performances sowie regelmäßig bei der costa compagnie.
>> Zur Website des Künstlers

Christina Flick (Performance / Schauspiel)

*1982, studierte an der Mimeschule (AHK) in Amsterdam und arbeitet als Schauspielerin und Theatermacherin, vorwiegend in den Niederlanden. Mitbegründerin des Theaterkollektivs Schwalbe, dessen Stücke auf internationalen Festivals zu sehen sind, u.a. in den Niederlanden, Belgien, Portugal, Estland und in Berlin am Hebbei am Ufer. Außerdem Arbeiten im Duo Steinboden mit Performances und Videoinstallationen mit der thailändischen Theatergruppe Moradokmai und Auftritte im Theaterkontext als Schauspielerin.
>> Die Künstlerin auf Filmmakers.de

Jonas Plümke (Video)

*1983, lebt und arbeitet in Hamburg. Arbeiten zu Klangsynthese und Videokunst in Hamburg für freie Projekte und an Theatern in der ganzen Republik; z.B. mit dem Regisseur Gernot Grünewald am Staatstheater Karlsruhe, Residenztheater München, Schauspiel Frankfurt, sowie mit anderen Regisseuren und in der freien Szene mit der costa compagnie und Rubikon.
>> Der Künstler auf der Seite des Badischen Staatstheaters

Matthias Reiling (Musik / Sounddesign)

*1979, lebt und arbeitet in Hamburg als Musiker und Produzent. Mit dem Elektro/Hause-Duo Session Victim Live-Performances in ganz Europa, in Asien, in Nordund Südamerika und in Australien. Außerdem zahlreiche Arbeiten als/mit Nic & Jaq; Basstarde; Nullzweistudios; Hallowald und als Solo-Künstler. Seit 2002 regelmäßige Arbeit im Bereich Theatermusik und Klanginstallation mit Felix Meyer-Christian und der costa compagnie. Unter Vertrag bei den Labels Airlondon, Retreat und Giegling.
>> Der Künstler auf Discogs.com

Während sich das Erste Buch thematisch mit den HAPAG-Hallen als Ort des Abschiednehmens auseinandersetzte, wird das Areal im Zweiten Buch erneut bespielt. Dieses Mal steht jedoch  die künstlerische Auseinandersetzung mit der vorgefundenen Architektur sowie die Integrierung einzelner Gegenstände in die künstlerische Arbeit im Mittelpunkt.

Der Kuppelsaal mit seinen hoch gewölbten Decken, der lange Gang der alten Zollhalle, der korodierte Beton des Steubenhöfts – im künstlerischen Prozess wird das Areal zum Ausgangspunkt für ein historisch relevantes Thema: Die Raketenforschung zwischen 1933 und 1964.

Ergänzt wird die Ausstellung durch eine Installation in der ehemaligen Nordseekantine. Diese weist architektonische Parallelen zum Beirut der 1960er Jahre auf. Wie Cuxhaven war die libanesische Hauptstadt damals ebenfalls wirtschaftlich aufgeblüht und diente als Ausgangspunkt von Raketenexperimenten.


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Wir machen uns auf die Suche nach den Grenzen von Realität und Fiktion. Was ist noch Wahrheit? Was schon Utopie?

Im Cuxhavener Stadtraum befinden sich viele Orte hinter denen sich spannende Geschichten verbergen (können). Ob sie wahr oder fiktiv sind spielt keine Rolle. Der Ort steht im Vordergrund. Denn dieser wird durch die Geschichte (wieder) zum Leben erweckt. Und die Kommunikation mit den Menschen, die an diesem Ort arbeiten, leben oder ihn einfach nur passieren. Diese Menschen werden eingeladen eine Geschichte zu erzählen, die dann durch den Einsatz verschiedener Medien wie Licht, Sound oder Körper weitererzählt und sichtbar gemacht werden.

>> Berichte zur Kunstvermittlung dieser Ausstellung
>> Weitere Informationen zum Kunstvermittlungsprogramm <hyperlink>s

 

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