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Fisherman’s Friends

Christian Haake und
Horst Müller

Ausstellungszeitraum

28. August
bis 3. Oktober 2010
Mi. – Fr. 16-18 Uhr
Sa. + So. 11-13 Uhr
und nach Vereinbarung

Ausstellungsort

Cuxhavener Kunstverein
Segelckestraße 25, Cuxhaven

Rahmenprogramm

Eröffnung
mit Einführung durch Dr. Rainer Beßling, Kulturjournalist aus Syke
28. August, 19 Uhr

Führungen
Gruppen von Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern können sich zu Führungen anmelden und anschließend z. B. auch «Verkehrte Welten» bauen oder Alltagsgegenstände in «Poesiedesign» verwandeln.
18. September, 11.30 Uhr

Die Künstler Christian Haake und Horst Müller bringen unterschiedliche Objekte, Bilder und Installationen in den Cuxhavener Ausstellungsraum. Bei aller Unterschiedlichkeit liegt die Gemeinsamkeit ihrer künstlerischen Arbeiten in der überraschenden, mitunter auch irritierenden Art und Weise, in der ihre Kunstobjekte vertraute Alltäglichkeiten thematisieren.

Mit Christian Haake und Horst Müller sind zwei Bremerhavener Künstler im Cuxhavener Kunstverein zu Gast. Somit passt der Titel der neuen Ausstellung, Fisherman’s Friends nicht nur in die norddeutsche Landschaft, er ist vor allem – wie Christian Haake in einem Interview gegenüber Nordwestradio betonte – eine Reverenz an Bremerhaven als die Stadt ihrer Herkunft.

Während Gegenstände des Alltags in unseren visuellen Gewohnheiten und gedanklichen Routinen längst abgelegt, abgehakt, abgedroschen und in ihren Funktionalitäten fixiert sind, wird ihnen in Horst Müllers Inszenierungen unerwartete Poesie, Sinnlichkeit, Schönheit verliehen. Zu welchem Ziel? Im Ergebnis sieht sich der Betrachter auf sich zurückgeworfen, indem ihm seine vereinfachenden, ernüchternden, entseelenden Routinen und Gewohnheiten bewusst werden. Horst Müller wird im Unterscheid zu Christian Haake dabei wohl eher als der konzeptuell arbeitende Künstler bezeichnet: In Müllers Fotoarbeiten, Skulpturen, Zeichnungen werden Gedanken, Begriffe, Vorstellungen, eben „Konzepte“ geist- und witzreich künstlerisch verdichtet und konkret anschaulich. Christian Haake schöpft demgegenüber seine Szenarien aus der eigenen Erinnerung, so in akribisch gefertigten Miniaturen.

Dabei sind Ordnung und Chaos, Verwahrlosung und Organisation, Anspruch und Scheitern die Spannungsfelder, die den Künstler thematisch immer neu bewegen. Haakes Arbeiten möchten den Betrachter auf die Suche in seine vergrabenen Erinnerungen führen, auch Haakes Objekte werfen den Betrachter auf sich selbst zurück. Das kann – so Haake – gelingen, indem beider Erinnerungen, die verblassten Lebenswirklichkeiten des Künstlers und die des Betrachters, sich gleichermaßen aus einer Art kollektivem Gedächtnis speisen und einander in einer Schnittmenge treffen. Beide Künstler nutzen den vorgefundenen Raum des Kunstvereins, um modellhaft ein Spiel mit schwankenden Größenverhältnissen und paradoxen Duplizierungen zu beginnen.

Christian Haake und Horst Müller bringen Objekte in den Cuxhavener Ausstellungsraum, deren Gemeinsamkeit in der befremdlichen Form des Umgangs mit Alltäglichkeiten liegt. Den vorgefundenen Raum des Kunstvereins nutzen sie, um modellhaft ein Spiel mit schwankenden Größenverhältnissen, paradoxen Duplizierungen und absurden Kombinationen zu erzeugen.

Christian Haake stellt sich in seiner künstlerischen Arbeit u.a. Fragen zum Bild menschlicher Behausungsverhältnisse. Seine akribisch entwickelten dreidimensionalen Miniaturen sind nicht maßstabsgerecht. Sie werden aus der Erinnerung an verblasste Lebenswirklichkeiten und kulturelle Identitäten gefertigt. Plastische Lagepläne, Orte von Verwahrlosung und Organisation sind dabei seine Themen. Seine Nachbauten, seine Modelle der Realität sind keine Entwürfe sondern Ergebnis, verdichtete Realität, immer ein bisschen verkehrt. Er zeichnet sein eigenes Millimeterpapier. Er baut ein Wohnwagenmodell und platziert es so, dass sich Realität und Bild verschieben. Immer führt Christian Haake uns vor, wie Wirklichkeit konstruiert wird und wie individuelle Erinnerungen und gesellschaftliche Verabredungen sie beeinflussen. In Cuxhaven zeigt Christian Haake u.a. ein Modell, das sich auf das bekannte Bild von Carl Spitzweg „der arme Poet“ bezieht. Allerdings ist der Poet gerade nicht zuhause.

Horst Müller bezieht sich in seiner Arbeit für den Kunstverein auf Vorgefertigtes, auf provisorische Gebilde, die dysfunktional sind. Bei seinen Fotoarbeiten, Skulpturen, Zeichnungen handelt es sich um Vergegenständlichung gedanklich – begrifflicher Arbeit, die in Formen „verrückter“ Normalität sichtbar werden. Alltagselemente entwickeln Parallelwelten: in einer Doppeluhr veranschaulicht Horst Müller wie Zeit gleichzeitig vor- und zurückläuft. Horst Müller inszeniert die Irritation. Die Arbeit „Dieser Stern lehrt beugen“, die er in Cuxhaven vorstellt, bringt durch ein spiegelndes Wechselspiel zwischen Ventilator und Suppenteller den Betrachter in Bewegung.

Trotz Generationensprung (Christian Haake *1969 und Horst Müller *1949) lassen sich die beiden Künstler auf eine Zusammenarbeit ein, die soweit geht, dass die Autorenschaft der ausgestellten Objekte undeutlich wird.

Es erscheint ein Katalog.

Christian Haake und Horst Müller kennen sich seit langem.

Horst Müller war Haakes Mentor auf dem Weg in die Künstlerexistenz -, dennoch zeigt sich auch in Cuxhaven, wie sie immer wieder neu ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede mit Gewinn ausloten. Christian Haake hat 2009 den hoch dotierten Förderpreis der HfK Bremen erhalten. Beide Künstler arbeiten in Bremen.

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