Buch3

Fisch ~ Salz
Rauch ~ Luft

Das Dritte Buch

Ausstellungszeitraum

17. Juli
bis 14. August 2014

Mi. – Fr. 10-13 Uhr
Sa. + So. 11-14 Uhr
und nach Vereinbarung

Ausstellungsorte

Halle 9 Kühlhaus 1
neben “Eddis-Garten”,
Niedersachsenstraße 1, Cuxhaven

Foyer des Museums „Windstärke 10”
Ohlroggestraße 1, Cuxhaven

Rahmenprogramm

Eröffnung
mit Nartur
Do., 17. Juli 19.00 Uhr

Öffentliche Führung
mit Graffiti-Workshop
Sa., 2. August 11.00 Uhr

Die Ausstellung bespielt die historischen Kühlhallen, um lokale Bräuche und Traditionen rund um den Fischfang freizulegen und neu zu interpretieren.

Über die einstige Laderampe des Heringslagers, dort wo nun die Strandkörbe von „Eddis Gartenfachhandel“ stehen, durch die unscheinbare Tür nach rechts, die Treppe runter, treten die Besucher ein in die Räumlichkeiten der Ausstellung. Die Heringe, die hier unten einst lagerten, sind längst Geschichte, ihr Geruch jedoch ist geblieben. Aus den Poren der feuchten Wände, aus den Ritzen zahlloser gebrochener Bodenfliesen, aus den dunklen Schächten der Lastaufzüge entfaltet der Geruch Ammoniak seine Wirkung. Er ist keineswegs beißend oder tranig, stets jedoch ein treuer Begleiter in dieser Ausstellung.

Der Geruch, das Neonlicht, der Schmutz, der Verfall, die Kühle, die Feuchtigkeit – alles scheint fremdartig zu sein. Die mehrere hundert Quadratmeter großen Kühlhallen sind durch lange Gänge miteinander verbunden. Massive, stark verrostete Stahltüren und -fenster stehen offen, geben den Blick frei auf Malereien, Lichtinstallationen, Wandgemälde und Skulpturen der Nartur Kunstgruppe.

Die vier Künstler haben die Räume hier unten auf sich wirken lassen. Mal bewusst, mal unbewusst floss die marode Atmosphäre des Heringskühllagers in die Arbeiten ein, ebenso wie der Naturraum unserer Region: Das Wasser, der Wind, Formen, Farben und Geräusche der Stadt werden sichtbar. Konzept und Titel der Ausstellung gaben dem schöpferischen Prozess einen Rahmen, in welchem sich die Gruppe frei bewegen konnte. Die Werke der Künstler erklären nicht, was hier unten vor über 40 Jahren vor sich ging. Ihre Arbeiten nehmen an manchen Stellen formal, an anderen Stellen ganz praktisch Bezug auf die Räumlichkeiten. Dennoch bleibt stets Platz für eigene Erzählungen.

Weitere Elemente der Ausstellung sind Arbeiten von Marcus Élieser Bloch sowie Fischrezepte aus einem Kochbuch von 1898, gefunden in einem Berliner Antiquariat.

>> Ein Rundgang durch die Ausstellung

Cuxhaven als Zentrum des Fischfangs und der Fischverarbeitung – dieses Motiv der Stadtgeschichte ist Ausgangspunkt des dritten Teils der Ausstellungssequenz „Vier Bücher“. Der Fisch und die vielfältigen Möglichkeiten seiner Verarbeitung und Konservierung geben einen inhaltlichen Impuls, der bei der lokalen Wirtschaftsgeschichte beginnt und der sich öffnet in narrative und historische Bereiche.

Die Künstlergruppe Nartur aus Osnabrück wird diesen historischen Aspekt in ihre Arbeit einfließen lassen. Das Kollektiv, bestehend aus Stefan Wiesnau, Moritz Neuhoff, Nils Leimkühler und Henning Bischof, nimmt sich in einem dynamischen Prozess aus Aktion und Reaktion der Thematik an und formt im Miteinander das Werk.

Leerstehende Kühlhäuser im Fischereihafen von Cuxhaven stellen den architektonischen Rahmen für die künstlerische Arbeit. Der Historie sowie der besonderen Atmosphäre dieser Räume wird die Künstlergruppe mit den Mitteln der Malerei mal spielerisch, mal ernst, mal verhalten, mal mit großer Geste nachspüren.

Eine kunsthistorische Tiefendimension erhält die Ausstellungssequenz durch die Integration von Kupferstichen Marcus Blochs – der Naturforscher hat mit seiner „Naturgeschichte der Fische“ (1783 – 1795) nicht nur ein wichtiges Kapitel Naturgeschichte geschrieben, sondern auch Kunstwerke von hohem ästhetischen Reiz geschaffen. Die Stiche gelten bis heute als die qualitätsvollsten Stiche von Fischen, die die Kunstgeschichte hervorgebracht hat.

Im Kühlhaus IX wurden früher Heringe gelagert. Mitte der 1970er Jahre wanderte jedoch die Fischindustrie aus den mittlerweile technisch veralteten Hallen im Fischereihafen ab. Das Gebäude steht seit 40 Jahren leer.

Direkt gegenüber des Eingangs zum Heringslager liegt das Museum „Windstärke 10”. In dessen Foyer zeigt der Kunstverein mit dem „HirschKäfer” ein weiteres Exponat der Ausstellung.

NarturEin bedeutender Teil der Ausstellung sind die Arbeiten von der Nartur Kunstgruppe. Das Künstlerkollektiv spürt der Energie und der Geschichte der Schauplätze auf assoziative Weise nach.

Nartur ist eine Kunstgruppe aus Osnabrück, die aus dem Bereich Graffiti und Streetart kommt. Die dort obligatorisch verwendete Sprühdose nutzt die Gruppe immer noch als Malwerkzeug, jedoch verorten sich die Künstler heute überwiegend im Bereich der Malerei. Ergänzend arbeitet die Nartur KG mit Sound, Foto, Licht und Installationen.

Nartur beschränkt sich nicht auf eine Disziplin. In einem dynamischen Prozess aus Aktion und Reaktion formt sich im Miteinander das Werk, an dessen Anfang die Idee steht. Nartur macht es locker und meint es ernst.

Die Kunstgruppe hat langjährige Erfahrung mit alten, leerstehenden Gebäuden. Zwei Wochen lang haben die Künstler vor Ort einen Großteil der ausgestellten Arbeiten geschaffen. Mitglieder der Gruppe sind Stefan Wiesnau, Henning Bischof, Moritz Neuhoff und Nils Leimkühler.

>> Zur Website der Kunstgruppe


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Wir entdecken neue künstlerische Möglichkeiten und blicken hinter die Kulissen einer aufregenden Ausstellung. Für ein gemeinsames Wandbild erforschen wir, was alle Menschen auf der Welt verbindet.

Der Fisch als Motiv des dritten Teils der Ausstellungssequenzen Vier Bücher dient in der Kunstvermittlung als Ausgangspunkt des Projekts. Auf großformatigen Collagen wird ein historisch wichtiges Thema künstlerisch aufgearbeitet und untersucht. Wände in der Innenstadt dienen als Präsentationsbereich und Hyperlink: In der Fischhalle X findet zeitgleich die Ausstellung der Künstlergruppe “Nartur” statt.

Durch minimale Veränderungen im Stadtraum soll ein zentrales Thema der wirtschaftlichen Geschichte Cuxhavens sichtbar gemacht werden: Der Fischfang und die Fischverarbeitung. Mit gefundenen Materialien können Symbole gelegt oder bereits
Bestehendes verändert werden, um das Auge des Betrachters zu irritieren und damit wachsam zu machen.

>> Berichte zur Kunstvermittlung dieser Ausstellung
>> Weitere Informationen zum Kunstvermittlungsprogramm <hyperlink>s

 

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